Challange accepted - Couchsurfing für einen Nerd
Wer kennt das nicht? Das Reisefieber packt einen und man möchte sofort an einen ganz anderen Fleck auf dem Planeten. Weg von allem Bekannten und hinein ins Abenteuer. Doch zu viel Abenteuer ist auch nicht wünschenswert. Es sollte schon etwas aufregend sein, aber doch in geregelten Bahnen. Abenteuer mit Kontrollfunktion quasi. All die Dinge, die man an seinem Zuhause liebt, wünscht man sich mit in den Urlaub: die eigene Couch, das eigene Bett und die Vertrautheit und Sicherheit, die man mit seinen eigenen vier Wänden verbindet. Denn jeder kennt das Gefühl, dass man mit fremden Hotelzimmern verbindet: Einsamkeit, Unbehagen und das Gefühl am falschen Ort zu sein. Plötzlich ist die eigene Wohnung wieder viel positiver und man wünscht sich dorthin zurück.
Ist man nerdig, wenn man gerne wegfährt, doch sich an fremden Orten nicht sonderlich wohlfühlt und gerne eine heimeligere Atmosphäre hätte? Keineswegs, denn Millionen von Menschen haben dieses Gefühl und haben daraus eine clevere Art gestaltet, angenehm im Urlaubsort zu übernachten: z.B. per Couchsurfing in Amsterdam! Hierbei übernachtet man bei Privatpersonen, die ihre Couch, ihr Gästezimmer oder ganze Räume ihrer Wohnung kostenlos zu Verfügung stellen. Das klingt erst einmal seltsam, ist aber eine prima Möglichkeit auch fern von Zuhause eine heimische Atmosphäre, nette Gesellschaft und authentische Bewohner der jeweiligen Stadt anzutreffen. Zwar erscheint es komisch, da man in die Privatsphäre eines anderen Menschen eindringt, doch lädt dieser einen ein, für eine bestimmte Zeit sein Gast zu sein. Diese Art der Übernachtung ist vielleicht nicht für jedermann, doch hat es viele Vorteile, denn umsonst ist das Ganze sowieso und es bieten sich wahnsinnige Möglichkeiten: Kennenlernen eines Bewohners des Urlaubsortes, authentische Reisetipps, beziehungsweise eine mögliche Stadtführung vom Gastgeber und das Schließen einer neuen Freundschaft. Ich selbst habe es schon einmal gemacht und durfte in einem Zimmer in Madrid für eine Woche übernachten. Mein Gastgeber war ein sehr netter Spanier, der gerne Leute aus der ganzen Welt kennenlernt und schon eine Weltkarte mit Fähnchen besitzt, in der er die Herkunftsorte aller seiner Gäste markiert hat. Ich war sein erstes "Fähnchen" aus Deutschland und das hat ihn sehr glücklich gemacht. Ich konnte viele Touristenfallen umgehen und habe echte Geheimtipps bekommen, die so bestimmt in keinem Reiseführer zu finden sind. Zudem habe ich mit Pedro, meinem Gastgeber, und seinen Freunden, viele Ausflüge in die umliegende Gegend gemacht und einiges vom Madrider Umland gesehen.
Ein Freund von mir war letztes Jahr auf der Ringcon in Köln und hat die Zeit über auf besagte Art dort gewohnt. Auch er hatte nur positive Erfahrungen. Über eine Internetplattform, die diesen Dienst anbietet, hat er einen anderen Herr der Ringe Fan gefunden, bei dem er übernachten konnte und mit dem und dessen Freunden er die Convention unsicher gemacht hat. Er ist sich sicher, dass er alleine halb so viel Spaß gehabt hätte und hat an diesem Wochenende neue Freunde gefunden, mit denen er auch jetzt noch öfters Online Games zockt.
Uns beiden hat es besonders gefallen in eine voll eingerichtete Wohnung zu kommen, die mit Leben angefüllt ist und nicht so steril ist wie ein Hotelzimmer. Die Gastgeber waren immer für uns da, jedoch hatte das Ganze aber auch seinen Preis: Man konnte nicht einfach so nachts um drei Uhr erst heimkommen, sondern musste sich mit den Bewohnern ein wenig absprechen. Zudem wird es erwartet, dass man ein wenig im Haushalt hilft oder vielleicht was aus dem eigenen Land oder der eigenen Stadt mitbringt. Aber die meisten helfen bestimmt gerne ein bisschen, wenn sie dafür umsonst übernachten können.
Obwohl mich viele Leute als sehr nerdig bezeichnen, weil ich teilweise sehr festgefahren bin in meinen Gewohnheiten, hatte ich keine Probleme mich für kurze Zeit in einer fremden Wohnung zu arrangieren und wildfremden Leuten zu begegnen. In einer anderen Stadt und einem anderen Land ist das wie ein Abenteuer- eine challenge, die ich gerne gemeistert habe.